Sonntag, 21. Februar 2010

Hündgen verkündet Ende des Web-VJs

Er ist eine Art Sascha Lobo der Webvideoszene. Er selbst bezeichnet sich als "Video-Geek", als "Web-Communist", "Videopunk" und "Provocateur". Letzteres macht er nun wieder alle Ehre. Markus Hündgen, (Noch)-Ressortleiter Video bei derwesten.de, erklärt auf seinem Blog "Videopunks" das "Ende des Videojournalismus' im deutschen Web". Der VJ im Netz sei zum "Kostenfaktor" und zum reinen "Bildlieferanten" verkommen.

Verkündet das Ende des Web-VJ: Markus Hündgen. (Daniel Seiffert / Flickr)

"Am Anfang war es eine Bewegung - wir wollten dem sich entwicklenden Bewegtbild-Markt im Web unsere Färbung geben. Nach drei Jahren hat es sich ausgeträumt: Für Videojournalismus ist kein Platz mehr auf deutschen Nachrichtenseiten", schreibt Hündgen in seinem Blog "Videopunks".

Dann blickt Hündgen zurück in die Zeit als der Video-Markt in Deutschland geboren wird, YouTube einschlägt "wie eine Bombe" und sich die Verlagshäuser im Netz ausprobieren. "Wir haben experimentiert, wir haben Erfahrungen gesammelt, wir haben Video gelebt. Irgendwann kamen dann die Zahlenknechte. Sie wollten Erfolge messen. Erlöse sollten her. Und der Videojournalismus im Web starb", schreibt Hündgen und lässt dabei vor allem seine negativen Erfahrungen beim Portal der WAZ-Gruppe "derwesten.de" einfließen. Das ambitionierte Projekt Hündgens, jeden Redakteur der Zeitungsgruppe mit einer Flip-Kamera auszustatten und so ein Netzt von VJs aufzubauen, ist gescheitert. Hündgen selbst ist offenbar mittlerweile bei dem WAZ-Projekt ausgestiegen.

Hündgen bedauert nun in seinem Blog, dass sich im Netz kein unabhängiger Videojournalismus gegenüber dem "TV-Einheitsbrei" etablieren konnte. Dabei habe doch der VJ ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. "Der Webvideojournalist war der Prototyp des Social-Media-Journalisten", schreibt Hündgen.

Übriggeblieben ist laut Hündgen nur "der Kostenfaktor VJ. Ein-Mann-Produktionen die schnell und günstig sind. Der inhaltliche Aspekt ist in den Zahlenwerken verschollen. Heute werden VJs als Bildlieferanten missbraucht: Schnell zum Unfall oder PK. Die gleichen leeren Worthülsen wie im Fernsehen drüberstülpen und ratzfatz auf die Seite."

Ob das nun wirklich das Ende des Videojournalismus' im Web ist oder bloß eine beengte Sicht aus den Erfahrungen mit derwesten.de...?

Kommentare:

  1. ich kann dem in gewisser weise nur zustimmen. zum einen muss man sich nur mal die arbeitsweise, z.b. auf bild.de ansehen. jedes noch so grottige wackelbild wird auf die seite gestellt. inhalte? fehlanzeige. dazu kommt, dass die redakteuer nicht ausgebildet und mit der technik überfordert sind.
    ein anderes beispiel. seit jahren habe ich dafür gekämpft, dass bei der größten regionalen tageszeitung in brandenburg MAZ, endlich bewegtbild ins netz kommt. nix da. man schuat dort nicht in die zukunft und sucht nach alleinstllungsmerkmalen, sondern siehrt nur die leserzahlen schwinden und streicht stellen .. so wird das nix liebe zeitungsmacher! mehr mut zahlt sich langfristig aus ..

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  2. Grundsätzlich gebe ich dir recht. Aber zur Verteidigung von bild.de muss ich sagen, dass dort die VJs schon gut ausgebildet werden. Bei denen gehören Wackelbilder sozusagen zu einer Art Gestaltungsform. Das soll Authenzität und Webvideo-gerechte Umsetzung unterstützen - was natürlich totaler Schwachsinn ist. Außerdem glaube ich, dass Bild und Inhalte ein ganz weites Feld ist, nicht nur im Videobereich...
    Was die MAZ angeht, da bin ich voll auf deiner Seite. Aber zum Glück gibt es ja im Netz nicht nur die Portale der Zeitungen :)

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  3. Meine Erfahrungen bei der WAZ mögen auch noch so "gemischt" gewesen sein (lange Zeit sehr gut, zum Ende hin übrigens deutlich schlechter) - bei anderen Verlagen sieht es nicht besser aus. Natürlich stehen alle Manager auf Video. Bewegtbild hat immer noch den TV-Stallgeruch mit dicken Anzeigenpreisen. Aber investieren will niemand. Ich berate derzeit einen großen Verlag beim vorsichtigen Aufbau ihrer Video-Aktivitäten. Dort brennt noch das Feuer. Spätestens aber wenn der nächste Controller mitmischen will, wird es schwierig.

    Spannender - und da spreche ich jetzt aus neuen Erfahrungen - wird die Zusammenarbeit mit Fernsehsendern. So unbeweglich manche sind, wissen diese was gut gemachtes Bewegtbild (auch fürs Web) kosten muss. Um Inhalte wird trefflich weiterhin gestritten, aber diese leidige Kostendiskussion läuft dort merklich entspannter ab.

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